Ehlers-Danlos Syndrom Typ IV

Erkrankung Gen OMIM
Ehlers-Danlos Syndrom Typ IV COL3A1 130050

Klinik / Indikation

Das klinische Bild des Ehlers-Danlos Syndroms Typ IV (vaskulärer Typ) wird nicht so sehr an den Hauptmerkmalen, insbesondere der Typen I und II, sondern an folgenden Ereignissen und Befunden, erkannt:

  • Fatale Ereignisse bei Verwandten I. Grades mit vaskulären Rupturen großer Gefäße, auch Rupturen im Magen-Darmkanal und Uterusruptur können einen Verdacht auf Ehlers-Danlos Syndrom Typ IV geben.
  • Bei Betroffenen ist die Überbeweglichkeit der Gelenke meist auf die kleinen Gelenke beschränkt.
  • Die Überdehnbarkeit der Haut ist geringer ausgeprägt als bei den übrigen Typen. Im jungen Kindesalter ist Haut auffällig samtig, später wird sie extrem dünn und die Venen scheinen durch.
  • Das Gesicht ist charakterisiert durch große Augen, schmale Nase, dünne Lippen und fehlende Modulation der Ohren.
  • Die Statur ist klein und schmächtig.

Bei anamnestischem und klinischem Verdacht ist eine sorgfältige angiologische und molekulargenetische Diagnose angezeigt. Eine Diagnosesicherung ist wegen der gezielten kardiologischen und rechtzeitigen kardiochirurgischen Therapie angezeigt.

Differentialdiagnostisch ist das Loeys-Dietz Syndrom, insbesondere Typ I mit Aneurysmen in der proximalen, thorakalen und abdominalen Aorta und peripheren Arterien in Erwägung zu ziehen. Heterozygote Mutationen im transforming growth factor beta-Gen (TGFBR1 oder TGFBR2) liegen dieser Erkrankung zugrunde.

Prävalenz: zwischen 1:100.000 und 1:250.000

Genetik

Der Erkrankung liegen Veränderungen im Typ III-Kollagen-Gen COL3A1 (2q31-q32) zugrunde, die einer autosomal dominanten Vererbung folgen. Das COL3A1-Gen setzt sich aus 51 Exons zusammen und codiert für die pro α1(III)-Kette, aus denen sich das Typ III Kollagen in Form einer Triple-Helix aus drei α1(III)-Ketten zusammensetzt.

Kollagen Typ III ist ein Hauptbestandteil der Arterienwände, aber auch der Wände des Verdauungstraktes. Das erklärt, warum vaskuläre Komplikationen und seltener auch Perforationen im Verdauungstrakt zu den Hauptsymptomen beim EDS Typ IV gehören.

Mutationen im COL3A1-Gen führen zu einer verminderten Synthese bzw. einer Strukturveränderung der Kollagenfasern. Die größte Mutationsdatenbank für das COL3A1-Gen findet sich an der Universität Leicester. Etwa 2/3 der molekulargenetischen Veränderungen machen Glycinsubstitutionen in den Repeats (Gly-X-Y) der triple-helikalen Domäne der proa 1(III)-Kette aus. Weiter finden sich Spleißdefekte sowie gelegentlich kleinere und größere genomische Deletionen. Die phänotypische Ausprägung von Glycinsubstitutionen und Spleißdefekten ist ähnlich.

Die Penetranz in Familien mit klinischen Merkmalen liegt nahe 100 Prozent; das erste Auftreten klinischer Symptome ist dabei variabel.

Die de novo Mutationsrate liegt bei etwa 50 Prozent; der Anteil von somatischen Mosaiken inklusive und exklusive der Keimzellen ist hoch und wird auf rund 20 Prozent geschätzt.

Diagnostik

Der Bearbeitungszeitraum beim Indexpatienten liegt bei etwa 6 Wochen. Für den Nachweis bzw. den Ausschluß bereits bekannter Veränderungen bei weiteren Familien-mitgliedern ist ca. 1 Woche anzusetzen.

Untersuchungsmaterial

2 ml EDTA-Blut des Indexpatienten sowie weiterer Familienmitglieder. Versand der Proben ungekühlt im Transportröhrchen.

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