Mowat Wilson Syndrom

Erkrankung Gen OMIM
Mowat Wilson Syndrom ZEB2 235730

Klinik / Indikation

Das Mowat Wilson Syndrom (MWS) ist eine seltene genetische Erkrankung, die durch eine komplexe Entwicklungsstörung mit folgenden klinischen Merkmalen gekennzeichnet ist (Mowat et al.: J. Med. Genet., 40, 305-310, 2003; Garavelli et al.: Orphanet Journal of Rare Diseases, 2, 42, 2007; Zweier et al.: Am. J. Med. Genet., 108, 177-181, 2002):

  • Wichtigste faziale Dysmorphien: Hypertelorismus, typische Ohrmuschelanomalie, große, tiefsitzende Augen, breite, horizontal gerichtete Augenbrauen, prominentes Kinn sowie prominente Columella, angewachsene und angehobene Ohrläppchen
  • Neurologische Auffälligkeiten: moderate bis schwere mentale Retardierung, verzögerte oder fehlende Sprachentwicklung, motorisch retardiert, Epilepsie (90%)
  • Morbus Hirschsprung: ca. 57% (Verteilung Mann:Frau 2,5:1)
  • Wachstumsparameter: normale Geburtsmaße, sekundärer Kleinwuchs
  • Angeborene Herzfehler (52%)
  • Genitalanomalien: Fehlbildung der Harnröhre (52%), Hypospadie
  • Cerebrale Strukturanomalien: Mikrozephalus (84%), Corpus-Callosum-Hypoplasie bzw. Corpus-Callosum-Agenesie (42%)
  • Augenveränderungen (Mikrophthalmie, Axenfeld Anomalie)

Genetik

Beim Mowat Wilson Syndrom handelt es sich um eine autosomal-dominant vererbte Erkrankung. Die Ursache für das Mowat Wilson Syndrom sind Veränderungen im ZEB2 (zinc finger E-box binding homeobox 2 gene) Gen (Synonym ZFHX1B/SIP1). Das ZEB2 Gen ist auf Chromosom 2q22 lokalisiert, hat eine Größe von 70 kb, besteht aus 10 Exons (1214 Aminosäuren) und codiert für das Smad interacting protein 1 (SIP1). Das Protein fungiert, in einem hetero-oligomeren Komplex mit weiteren Smad Proteinen, als Transkriptionsmodulator und ist an der Embryogenese beteiligt. Die mRNA ist in nahezu allen Geweben (z.B. Herz, Gehirn, Lunge, Leber) exprimiert. Es sind derzeit ca. 180 Patienten mit einem Mowat Wilson Syndrom bekannt, bei welchen ca. 115 Veränderungen beschrieben wurden (Engenheiro et al.: Clin. Genet., 73, 579–584, 2008). Die Veränderungen sind wie folgt verteilt: 81% Sequenzanomalien im ZEB2-Gen, 15% große Deletion einschließlich des ZEB2-Gens, 2% chromosomale Rearrangements, welche das ZEB2-Gen zerstören sowie 2% mittelgroße Deletionen.

Diagnostik

Der Bearbeitungszeitraum beim Indexpatienten liegt bei etwa 3 Wochen. Für den Nachweis bzw. den Ausschluss bereits bekannter Veränderungen bei weiteren Familienmitgliedern ist etwa 1 Woche anzusetzen.

Untersuchungsmaterial

2 ml EDTA-Blut des Indexpatienten sowie weiterer Familienmitglieder. Versand der Proben ungekühlt im Transportröhrchen.

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