Sensorineurale Schwerhörigkeit Typ 1

Erkrankung Gen OMIM
Sensorineurale Schwerhörigkeit Typ 1 CX26 (GJB2) 220290
Sensorineurale Schwerhörigkeit Typ 1 CX30 (GJB6) 612645
Sensorineurale Schwerhörigkeit Typ 1 CX31 (GJB3) 133200

Klinik / Indikation

Die prälingualen Formen der hereditären nicht-syndromalen Schwerhörigkeit bzw. Taubheit werden in 80–85 Prozent autosomal rezessiv, in 15 Prozent autosomal dominant und in etwa 1–3 Prozent X-chromosomal-rezessiv vererbt. Taubheitsformen mit späteren Manifestationen beruhen häufiger auf einer autosomal-dominanten Genwirkung. Die Häufigkeit der hereditären sensorineuralen Schwerhörigkeit insgesamt liegt zwischen 1:800 und 1:1000.

Eine wesentliche Ursache der Schallempfindungs- bzw. der sensorineuralen Schwerhörigkeit besteht in einer Störung der Kaliumhomöostase des Innenohres. Aus pathogenetischer Sicht spielen Gene der Connexinfamilie und der Kaliumionenkanäle eine Rolle. Connexinproteine sind zelltypspezifisch und spielen eine zentrale Rolle bei der Zell–Zell-Kommunikation. Mindestens drei Connexin-Gene sind an der Entstehung der sensorineuralen Taubheit beteiligt: CX26(GJB2), CX31 (GJB3) und CX30 (GJB6). Hiervon nimmt besonders das CX26-Gen eine besondere Stellung ein.

Die molekulargenetische Diagnostik erlaubt eine frühe und sichere Diagnose der Erkrankung und ermöglicht damit einen frühzeitigen Therapiebeginn.

Genetik

Das Connexin 26 (CX26 oder GJB2) liegt auf Chromosom 13q11 und besteht aus einer nicht-codierenden 5’UTR sowie einem codierenden Exon für 226 Aminosäuren. Das Connexin 30 (CX30 oder GJB6) befindet sich in direkter Nachbarschaft auf 13q12 und besteht ebenso aus nur einem codierenden Exon, das für ein 261 Aminosäuren großes Protein codiert. Beide Connexine spielen eine wichtige Rolle bei der Kaliumregulation in der Cochlea, nach neueren Erkenntnissen jedoch nicht bei deren Entwicklung. Mutationen im CX26- und CX30-Gen führen dabei infolge einer Behinderung des Kaliumrecyclings zur Ertaubung.

Veränderungen im CX26-Gen können je nach Art der Mutation zu einer autosomal dominanten oder einer autosomal rezessiven Form der Taubheit führen. Bei autosomal rezessiver Taubheit werden in etwa der Hälfte der Fälle Veränderungen im CX26-Gen gefunden – in mediterranen Populationen sogar noch häufiger. Die häufigste Mutation im CX26-Gen ist die c.35delG, eine Deletion eines einzelnen Nukleotids innerhalb einer Basen-paarfolge von sechs aufeinander folgenden Guaninen. Weitere häufige Veränderungen sind c.109G>A (p.Val37Ile) und c.269T>C (p.Leu90Pro) sowie c.167delT, die gehäuft bei Ashkenazi-Juden gefunden wird.

In einigen Fällen wurde bei Patienten mit nur einer heterozygoten Mutation im CX26-Gen eine 200-300 kb große Deletion im CX30-Gen  beschrieben (Feldmann et al.: Am. J. Med. Genet., 127A, 263-267, 2004), die mittels MLPA (Multiplex Ligation-dependent Probe Amplification) diagnostiziert werden kann.

Diagnostik

Der Bearbeitungszeitraum beim Indexpatienten liegt bei etwa 2 Wochen. Für den Nachweis bzw. den Ausschluß bereits bekannter Veränderungen bei weiteren Familienmitgliedern ist ca. 1 Woche anzusetzen.

Untersuchungsmaterial

2 ml EDTA-Blut des Indexpatienten sowie weiterer Familienmitglieder. Versand der Proben ungekühlt im Transportröhrchen.

Menü